Konzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin
YIN und Yang
Nach der chinesischen Philosophie ist unsere Wirklichkeit auf Gegensätzen aufgebaut.
Tag/Nacht, heiss/kalt, hart/weich, oben/unten, Mann/Frau, ....
Zu jedem Aspekt existiert sein Gegenteil.
Die Liste der Polaritäten ist so umfassend wie unsere Wirklichkeit.
Die Monade, das daoistische Yin/Yang-Symbol, stellt den harmonischen Tanz der Gegensätze dar.
Der Kreis, der das Ganze darstellt, ist durch eine Linie in zwei Hälften - Yin und Yang - unterteilt.
Die geschwungene Linie symbolisiert das Verhältnis der Gegensätze, das fliessend und nicht starr ist.
Einmal überwiegt das Eine, danach das Andere.
Ist das Eine am Höhepunkt, beginnt das Andere zu erstarken.
Beide sind insgesamt gleich wichtig.
Es gibt nicht das Eine ohne dem Anderen.
Das Eine wandelt sich in das Andere um.
Das Eine kann nur in Relation zum Anderen existieren und wahrgenommen werden.
Weder das Eine noch das Andere ist nur gut oder nur schlecht.
Diese chinesische Philosophie ist somit in der Lage, Gegensätze, die aus unserer westlichen aristotelischen Logik
unvereinbar sind, zusammenzuführen.
Aus unserem "Etwas kann nur entweder A oder B sein", wird das relative und dynamische "sowohl A, als auch B".
YIN und Yang in der Medizin
Sämtliche Funktionen und Strukturen unseres Körpers werden Yin oder Yang zugeordnet.
Gesundheit lässt sich als harmonisches Zusammenspiel dieser Aspekte beschreiben.
Bei Krankheit ist dieses dynamische Gleichgewicht gestört.
Die Diagnose eines Heilkundigen der chinesischen Medizin ist somit eine exakte Beschreibung .
Das
Ziel jeder Therapie ist es, die Harmonie von Yin und Yang wieder
herzustellen.
| Yin | Yang | |||||||
| Wasser | Feuer | |||||||
| Nacht | Tag | |||||||
| kalt | heiss | |||||||
| trocken | feucht | |||||||
| innen | aussen | |||||||
| Struktur | Funktion | |||||||
| Ruhe | Bewegung | |||||||
| ganzheitlich | analytisch | |||||||
| Blut | Qi | |||||||
| Erde | Himmel | |||||||
| zurückhaltend | aggressiv | |||||||
| minus | plus | |||||||
| Naturheilverfahren | Schulmedizin | |||||||
| Materie | Energie |
Harmonie von Körper und
Geist
In der Traditionellen Chinesischen Medizin geht es stets
darum, die "drei Schätze" in Balance zu bringen.
Störungen von Qi (Energie) , Jing ( Essenz) und Shen
(Geist) führen über kurz oder lang zu Krankheit.
Die Eigenverantwortlichkeit des Patienten zu fördern,
zählt zu den wichtigen Aufgaben des Therapeuten.
Jing Die Quelle des Lebens
Shen Der Geis hinter Allem
Jing
"Wo Leben herkommt, das
heisst Jing."
Jing,
auch als Essenz übersetzt, ist die Voraussetzung allen Lebens.
Sie
setzt sich aus zwei Anteilen zusammen:
Die
vorgeburtliche
Essenz bekommt jeder Mensch von seinen Eltern. Unsere
Grundkonstitution, unsere Stärken und Schwachpunkte
werden von ihr
bestimmt. Vorgeburtliches Jing kann weder erneuert noch
verändert
werden. Ist es verbraucht, ist unser Leben zu Ende.
Auf
der Suche nach Unsterblichkeit
sind in China Methoden entwickelt worden, v.a.
Qigong-Übungen, die
diese Essenz stabilisieren und festigen. Gelassenheit und der
richtige
Umgang mit den Emotionen wird als ausserordentlich wichtig erachtet.
Jedes
exzessive Verhalten, jede psychische und physische
Überanstrengung, die uns "an die Substanz geht", verbraucht
Jing.
Die nachgeburtliche Essenz wird durch die Funktion der Milz aus der Nahrung gewonnen. Schon vor vielen tausend Jahren haben die Chinesen die herausragende Bedeutung richtiger Ernährung erkannt.
Jing ist für die langfristigen Zyklen des Lebens verantwortlich.
Es
steuert das Einsetzen der Pubertät, die Menstration und die
Qualität
der Ei- und Samenzellen. Seine Abnahme ist für das Einsetzen
der
Wechseljahre verantwortlich.
Jing
ernährt das Gehirn und garantiert Konzentration,
Denkfähigkeit und Gedächtnis.
Es
ist Vorraussetzung für unsere Abwehrkraft und
Vitalität.
Shen
"Shen ist die Bewusstheit, die aus unseren Augen strahlt, wenn wir wach sind."
Shen hängt mit der Funktionstüchtigtkeit aller inneren Organe zusammen.
Die bei uns übliche Trennung in Körper und Geist existiert in der chinesischen Medizin nicht.
Der Geist entspricht dem Herzen.
Die (Wander-) Seele gehört zur Leber.
Die (Körper-) Seele gehört zur Lunge.
Die Willenkraft gehört zur Niere.
Das Denken gehört zur Milz.
Textauszüge mit freundlicher Genehmigung von Dr. Gernot Troetscher
